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Andreas Niedrig

„Wenn du im Leben etwas erreichen willst, brauchst du ein klares Ziel“

Das Interview mit Andreas Niedrig führte Lukas Klus

Andreas Niedrig kämpfte sich aus der Drogensucht bis an die Spitze des Triathlonsports. Inzwischen erzählt er überall in Deutschland von seiner Geschichte und über Motivation. So auch beim Zukunftsfestival Growmorrow in Bremen.

Vom Junkie zum Iron Man: Andreas Niedrig war viele Jahre drogenabhängig und wurde dann erfolgreicher Triathlet. Heute tritt der 58-Jährige bundesweit als Motivationscoach auf. Beim Zukunftsvestival Growmorrow in Bremen am 16. April spricht er über den Mut, Krisen in Chancen zu verwandeln.

Hinter mir liegt eine schlaflose Nacht, ich bin müde, aber muss den Tag irgendwie durchstehen. Was sagen Sie als Motivationsexperte?

Eigentlich können Sie sich gleich wieder hinlegen, weil Sie ja sofort eine ganze Reihe von Gründen genannt haben, warum dieser Tag keine Chance hat.

Ehrlich?

Den Tag interessiert es nicht, ob ich gut geschlafen habe oder nicht. Der Tag ist einfach da. Die Frage ist nur, was ich daraus mache. Ich werde oft frühmorgens wach und bin müde. Doch anstatt mich auf diese Müdigkeit zu konzentrieren, richte ich meinen Blick bewusst auf den neuen Tag. Ich stelle mir vor, welche Begegnungen auf mich warten, welche Gespräche entstehen. Entscheidend ist: Nicht die Müdigkeit bestimmt meinen Tag, sondern die Haltung, mit der ich ihm begegne.

„Vom Junkie zum Ironman“ heißt Ihre Biografie. Wie haben Sie den Lebenswandel geschafft?

Ich habe mit 13 Jahren angefangen, Drogen zu nehmen. Erst Anfang 20 hatte ich die Chance auf eine Therapie. Diese Chance entstand allerdings durch den Druck der Staatsanwaltschaft. Ansonsten wäre ich vermutlich im Gefängnis gelandet. Danach hat es fast fünf Jahre gedauert, bis ich in der Gesellschaft Fuß gefasst hatte. Ich habe meinen Schulabschluss nachgeholt, eine Ausbildung gemacht und irgendwann angefangen, Sport zu treiben. Daraus ist später meine Profikarriere entstanden. Damals habe ich etwas Entscheidendes verstanden: Ein Mensch braucht etwas, für das es sich lohnt, morgens aufzustehen. Ein Junkie denkt nur von einem Tag zum nächsten. Die einzige Frage lautet: Wie komme ich heute an den nächsten Schuss?

Was hat Sie bewogen, an die Öffentlichkeit zu gehen?

Mit so einer Geschichte geht man nicht freiwillig an die Öffentlichkeit. 1997 startete ich bei meinem ersten Triathlon und habe gleich einen Weltrekord aufgestellt. Plötzlich bin ich in den Fokus der Medien geraten. Die Journalisten wollten wissen: Wo kommt dieser Typ eigentlich her, der schon 30 Jahre alt ist und keinen sportlichen Hintergrund hat? Meine Tochter war damals zehn Jahre alt und wusste noch nichts von meiner Vergangenheit. Meine Frau und ich haben uns deshalb gefragt, wie sie und ihr Umfeld reagieren würden, wenn irgendwann in der Zeitung steht: Vom Junkie zum Ironman. Wir wollten nicht, dass die Medien nur diese Schlagzeile in den Mittelpunkt stellen. Also habe ich mich entschieden, in die Offensive zu gehen. Ich wollte selbst bestimmen, wie meine Geschichte erzählt wird.

Heute sind Sie Motivationstrainer. Warum?

Um meine Tochter zu schützen, bin ich damals in ihre Schulklasse gegangen und habe dort offen meine Geschichte erzählt. Drei Tage später rief mich die Lehrerin an und sagte, dass ich im Klassenverband etwas ausgelöst hätte. Die Schüler hätten noch lange darüber gesprochen und sie meinte zu mir, dass ich so etwas eigentlich öfter machen müsste. Daraufhin wurde ich immer häufiger eingeladen, meine Geschichte zu erzählen. Erst waren es Schulen und kleinere Veranstaltungen, dann Vereine und Organisationen, später haben mich Banken und große Unternehmen für Vorträge gebucht.

Wie schaffen Sie es, Menschen mit Ihrer Geschichte zu motivieren?

Gar nicht. Ich glaube nicht daran, dass wir andere Menschen motivieren können. Motivation kommt immer nur aus einem selbst heraus. Was wir tun können, ist Menschen inspirieren. Wir können Geschichten erzählen, Möglichkeiten aufzeigen und Denkanstöße geben. Aber was ich daraus mache, kann ich nur selbst entscheiden. Gerade bei Unternehmensveranstaltungen ist es oft gerne gesehen, dass jemand vorne steht und sagt: Wenn ihr gleich den Raum verlasst, wisst ihr, wie das Leben funktioniert. Aber genau das wäre die größte Lüge, die ich meinen Zuhörern erzählen könnte. Wenn du in deinem Leben etwas erreichen willst, brauchst du ein klares Ziel. Du brauchst einen Plan. Und du brauchst Ausdauer und Disziplin. Was ich dabei tun kann, ist Menschen einzuladen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Growmorrow_Website_Speaker_Andreas_Niedrig

Zur Person ...

Andreas Niedrig begann seine Karriere als Triathlet in den 80ern. 1997 war er erstmals Teilnehmer beim „Ironman Hawaii“. In den folgenden Jahren erzielte er bei verschiedenen Ironman-Rennen hohe Platzierungen.

Neben seiner sportlichen Karriere ist der 58-Jährige auch als Motivationscoach und Autor aktiv. Er ist bei Veranstaltungen gefragter Redner zum Thema Motivation.

In seiner Jugend kämpfte Andreas Niedrig mit Drogensucht. Über seinen Weg aus der Drogensucht zum Spitzensport erschienen bereits ein Buch und ein Film.