SPEAKER-INTERVIEW-REIHE

Joey Kelly

„Das ganze Leben ist ein Marathon“

Das Interview mit Joey Kelly führte Katja Lüers

Aufgeben ist für ihn keine Option: Joey Kelly steht für Disziplin und Durchhaltevermögen. Auf dem Zukunftsfestival Growmorrow spricht der 53-Jährige über den Weg der Kelly Family bis in die ausverkaufte Dortmunder Westfalenhalle, über Extremsport, Disziplin und die Frage, welche Haltung wir brauchen, um die Zukunft aktiv zu gestalten. Im Interview verrät der Unternehmer, warum er bestimmte Entscheidungen bereut und welche Eigenschaften Gründer mitbringen sollten.

Sie gelten als Inbegriff von Disziplin und Durchhaltevermögen. Wie erkennen Sie, ob ein Ziel wirklich das richtige ist – und nicht nur besonders ehrgeizig?

Das weiß man meistens erst, wenn man es erreicht hat. Natürlich hat man vorher eine Vorstellung davon, was man erreichen möchte. Wenn man ein Ziel schließlich schafft, fühlt sich das sehr erfüllend an.

Wo liegt für Sie der Unterschied zwischen Durchhaltevermögen und Sturheit?

Entscheidend ist, sich realistische Ziele zu setzen. Wer bisher keinen Sport gemacht hat und sofort einen Ironman absolvieren möchte, wird wahrscheinlich scheitern. Sinnvoller sind Zwischenziele: erst ein Volkslauf, dann ein Halbmarathon, später ein Marathon und schließlich ein Ironman. So arbeitet man sich Schritt für Schritt nach oben.

War Extremsport von Anfang an Ihr großes Ziel?

Nein, überhaupt nicht. Mein erster Triathlon entstand aus einer Wette heraus. Im Ziel habe ich noch gedacht: Das mache ich nie wieder. Ein paar Tage später sah das schon anders aus. Ich fand den Sport faszinierend, habe weiter trainiert und mich immer neuen Herausforderungen gestellt.

Waren Sie schon vorher ein disziplinierter Mensch?

Ja. Disziplin wurde mir von meinen Eltern vermittelt.

Reicht Disziplin allein aus oder braucht es Leidenschaft?

Disziplin reicht aus, um Ziele zu erreichen. Mit Leidenschaft macht der Weg allerdings deutlich mehr Spaß.

Welche Prinzipien aus dem Extremsport lassen sich auf das Unternehmertum übertragen?

Es gibt viele Parallelen: Ausdauer, Disziplin, Mut und Leidenschaft braucht man im Sport genauso wie im Unternehmen. Besonders wichtig ist aber auch ein gutes Team. Ohne ein starkes Team kann ein Unternehmer langfristig nicht wachsen.

Haben Sie schon einmal ein Ziel bewusst aufgegeben?

Nein. Ich habe noch nie einen Wettkampf abgebrochen. Aufgeben ist für mich keine Option. Allerdings setze ich mir nur Ziele, die realistisch sind und auf die ich mich gründlich vorbereite.

Sind Menschen, die aufgeben, für Sie Verlierer?

Nein, überhaupt nicht. Ich verurteile niemanden. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. In meinem Vortrag „No Limits“ zeige ich, wie man Ziele erreichen kann. Das ganze Leben ist ein Marathon. Wer für seine Berufung brennt, ist bereit, die berühmte Extra-Meile zu gehen.

Gab es Entscheidungen in Ihrem Leben, die sich zunächst wie Fehler angefühlt haben, sich später aber als richtig erwiesen?

Absolut. Das gehört zum Leben dazu. Ich habe Entscheidungen getroffen, die ich bereue, und andere, die ich heute ganz anders bewerte als damals. Mit vier Kindern fragt man sich als Vater immer wieder, ob man alles richtig macht – genauso wie als Unternehmer. Wichtig ist, mit gutem Beispiel voranzugehen und auch die unangenehmen Aufgaben selbst zu übernehmen.

Welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen, um in Zukunft erfolgreich zu sein?

Das hängt stark von der eigenen Berufung ab. Wer Beamter oder Soldat werden möchte, hat andere Voraussetzungen als jemand, der sich selbstständig machen will. Nicht jeder muss Unternehmer werden – unsere Gesellschaft braucht Menschen in ganz unterschiedlichen Berufen. Wer sich allerdings für die Selbstständigkeit entscheidet, sollte wissen, dass klassische Work-Life-Balance dort oft anders aussieht.

Gibt es Überzeugungen, die Sie mit 30 Jahren hatten und heute nicht mehr teilen?

Mit 30 war ich längst nicht so gelassen wie heute. Ich hatte weniger Überblick und war ständig im Arbeitsmodus. Die Lebenserfahrung, die man im Laufe der Jahre sammelt, ist unglaublich wertvoll.

Welche Eigenschaften sind für Gründer am wichtigsten: Disziplin, Kreativität oder Anpassungsfähigkeit?

Alle drei sind wichtig. Noch wichtiger ist aber ein starkes Team. Selbstständigkeit kann finanzielle Freiheit ermöglichen, aber Rückschläge gehören dazu. Deshalb muss man Risiken realistisch einschätzen und tragfähige Partnerschaften aufbauen.

Wie bleiben Sie motiviert, wenn Ihnen einmal die Lust fehlt?

„Keine Lust“ ist für mich keine Option. Es gibt Aufgaben, die einfach erledigt werden müssen. Wer ein Ziel hat, sollte sich dazu verpflichten – etwa indem er sich verbindlich für einen Marathon anmeldet. Zwischenziele und ein unterstützendes Umfeld helfen dabei, dranzubleiben.

Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?

Ich suche immer wieder neue Herausforderungen, allerdings nur, wenn das Risiko kalkulierbar bleibt. Mein Grundsatz lautet: lieber mehr geben als nehmen. Das gilt im Geschäftsleben genauso wie privat. Wer mehr gibt, gewinnt Vertrauen, Menschen und Empfehlungen – und das zahlt sich langfristig aus.

Wurden Sie nach diesem Prinzip erzogen?

Ja. Diese Haltung hat mich geprägt. Ich bin überzeugt: Wer bereit ist, mehr zu geben, als er nimmt, bekommt langfristig auch mehr zurück. Für mich ist das ein echtes Erfolgsprinzip.

Joey Kelly

Zur Person ...

Joey Kelly wurde als Mitglied der Kelly Family bekannt, mit der er vom Leben als Straßenmusiker bis zu internationalen Erfolgen und ausverkauften Arenen ging. Heute steht er nicht nur als Musiker, sondern auch als Extremsportler und Motivationsredner auf der Bühne. In seinen Vorträgen verbindet er seine außergewöhnliche Familiengeschichte mit Erfahrungen aus Ironman, Ultramarathon und extremen Ausdauer-Challenges – und zeigt, was Disziplin, Willenskraft und Leidenschaft bewirken können.