SPEAKER-INTERVIEW-REIHE
Dr. Klaus Meier
Aus „Kellogg’s“-Silo wird Designhotel – Warum ein Wahrzeichen an der Weser neu entstand
Das Interview mit Dr. Klaus Meier führte Holger Bloem
Früher lagerte hier Getreide, heute übernachten Gäste in den Türmen: Aus dem „Kellogg’s“-Silo in Bremen ist ein Hotel entstanden. Der Umbau gilt als Symbol für die grüne Zukunft der Überseeinsel von Investor Dr. Klaus Meier.
Die ersten „Kelloggschen“ Cornflakes, so wird erzählt, waren 1894 das Produkt eines Versehens: Am Ende eines langen Arbeitstages blieb damals eine kleine Schüssel mit gekochtem Weizen übrig, die über Nacht eintrocknete. Zum Glück, wie sich später zeigen sollte. Denn die abgestandenen Körner ließen sich nun problemlos walzen, rösten und mahlen: Granose war eines der ersten entwickelten Frühstückscerealien.
Erfunden hat es Dr. John Harvey Kellogg. Er war Arzt in einem Sanatorium und kämpfte dort gegen den Verfall der Zivilisation und vor allem schlechte Ernährung. Und so machte sich der Diätspezialist und Joghurtfreund auf die Suche nach bekömmlichen Alternativen. Er konnte ja nicht ahnen, dass er damit eine Entwicklung in Gang setzte, die nicht nur das globale Frühstücksverhalten revolutionieren, sondern auch einen Weltkonzern hervorbringen würde. Schließlich war die Idee selbst eher unspektakulär: gepresstes Getreide.
Aber erst sein jüngerer Bruder Will setzte den Cerealien Rohrzucker hinzu und baute das Unternehmen in Windeseile zu einem gigantischen Wirtschaftsimperium aus – und so kam „Kellogg’s“ schließlich auch nach Bremen. 1963 war „Kellogg’s Deutschland“ in der Hansestadt gegründet worden, schon ein Jahr später nahm das Werk die Produktion auf der 15 Hektar großen sogenannten Überseeinsel in unmittelbarer Nähe zur Stadtmitte auf.
Name soll erinnern
An die Geschichte der beiden Kellogg-Brüder erinnert heute das Hotel „John & Will“. Es ist in dem riesigen Getreidesilo mit dem großen „Kellogg’s“-Schriftzug auf dem Dach entstanden, der weithin sichtbar direkt an der Weser steht. Er ragt aus einer riesigen Baustelle heraus. Am 10. Oktober 2016 nämlich gibt der „Kellogg’s“-Konzern bekannt, seinen einzigen Produktionsstandort für Frühstücksflocken in der Bremer Überseestadt wieder schließen zu wollen, was im Juni 2018 endgültig geschieht. Begründet wurde dies mit Volumenrückgang und nicht ausgelasteten Anlagen.
Klaus Meier, der auch beim Zukunftsfestival „Growmorrow“ in Bremen auf der Bühne stehen wird, ist promovierter Jurist und beriet ab 1991 unter anderem Landwirte beim Bau von Windkraftanlagen. 1996 gründete er zusammen mit seinem Geschäftspartner Gernot Blanke den Windparkprojektierer „wpd“ („wind project development“ GmbH; später „wpd“ AG). Zu Spitzenzeiten beschäftigt das Unternehmen, das weltweit tätig ist, gut 2.300 Mitarbeiter in über 20 Ländern.
Der „wpd“-Hauptsitz in der Bremer Überseestadt liegt auf einem Teil des früheren „Kellogg’s“-Geländes – das Unternehmen kaufte 2014 das Areal und sicherte sich zudem Vorkaufsrechte für eine weitere erhebliche Teilfläche des Geländes der US-Firma.
Umbau zum Hotel
Doch mit dem „Kellogg‘s“-Aus kommt alles anders. 2018 veräußerte „Kellogg‘s“ das Firmengelände an die „wpd“. Seitdem wird – in enger Abstimmung mit der Stadt Bremen – die Bebauung der Überseeinsel von der gleichnamigen GmbH geplant. Die Frage: Was kann auf diesem Areal entstehen, das bislang eine stark industrielle Prägung hatte?
Die Antwort: Ein lebendiges Quartier mit neuer Identität und einer Verbindung von Vergangenheit und Zukunft. Ein Symbol dafür ist der „Kellogg’s“-Silo. Nach ersten Überlegungen, ihn zu einem Kletter- oder Tauchturm umzubauen, entschied sich der Investor schließlich für einen Hotelbau – ähnliche Projekte waren bisher stets an Kosten oder Statik gescheitert. Die innenliegenden Silos wurden entfernt, um die Erschließung der äußeren Türme zu ermöglichen.
Insgesamt rund 3.500 Kubikmeter Beton mussten aus den Silotürmen herausgefräst werden. Aber alle massiven Bestandteile blieben erhalten – selbst die alten Trichterausgänge in den Decken der Hotellobby. Für die besondere Architektur des Hotels zeichnet das Wiener Architekturbüro „DMAA“ verantwortlich. Im Sommer 2024 öffnete „John & Will“ seine Türen. Und statt Getreide, „lagern“ dort nun Hotelgäste. In den acht Türmen stapeln sich über elf Geschosse. In dem Gebäude sind 117 Hotelzimmer und -suiten entstanden.
Die Zimmer sind je nach Größe entweder rund oder halbrund. Eine Ausnahme bildet die Penthouse-Suite „Toorn Stuuv“ auf der 12. Etage, die auf 45 Quadratmetern ein großes Doppelbett, eine frei stehende Badewanne, einen wasserbetriebenen Öko-Kamin sowie eine eigene Terrasse und einen privaten Zugang bietet. Eine Minibar oder einen Fernseher sucht man in den Zimmern allerdings vergebens – sie verbrauchten nonstop Energie und kosteten unnötig Ressourcen.
Leuchtturmprojekt
Der Siloturm mit der markanten Silhouette sowie der sensible und respektvolle Umgang mit dem Bestand, der zwischendurch bereits als wertlos galt, steht nun als Symbol für die Transformation von der Vergangenheit in die Zukunft – neue Nutzungsformen hatte man ihm so nicht zugetraut. So gilt der Umbau als gutes Beispiel dafür, wie aus historischer Bausubstanz ein neues, einzigartiges Gebäude entstehen kann – nachhaltig und klimaschonend.
„Das Gebäude ist ein Leuchtturmprojekt an der Weser und als wichtiger Baustein in der Entwicklung der Überseeinsel“, lobt Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und wurde bereits mit Preisen überhäuft. So lebt das Hotel schon einmal das vor, für das die weitere Entwicklung der Überseeinsel steht und auch Investor Klaus Meier am Herzen liegt: „Öko, ökonomisch und sozial grün unterwegs sein – ohne großes Blabla!“

Zur Person ...
Dr. Klaus Meier – Der promovierte Jurist ist geschäftsführender Gesellschafter der Überseeinsel GmbH in Bremen und ein ausgewiesener Experte für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Energiemanagement.
Im Jahr 1996 gründeten Gernot Blanke und Klaus Meier die Firma „wpd“ zunächst als GmbH in Bremen, insbesondere um Windparks in Deutschland zu bauen. 2001 wurde „wpd“ in eine AG umgewandelt. Das Unternehmen verlagerte ab den 2010er-Jahren seinen Schwerpunkt zunehmend auch ins Ausland.
Klaus Meier betreibt weiterhin eine Kanzlei mit über 20 Anwälten und ist selbst als solcher tätig. Daneben ist er Vorstandsvorsitzender der Günter Grass Stiftung Bremen sowie Vorsitzender des Aufsichtsrates der „BLG Group“. 2024 übernahm Meier das Klimahaus in Bremerhaven.